25. The military vicus

25. The military vicus. Everyday life in the vicinity of the forts

Julia Chorus & Monica Dütting

Affiliation: Research group Roman vicus on the Rhine, the Netherlands

Affiliation of co-organiser: Research group Roman vicus on the Rhine, the Netherlands

Session Abstract: This session focuses on the rise, function, development and population of military vici in relation to the forts in the Roman Empire. Generally, the Roman frontier zone is envisaged rather stereotypically, with military structures such as fortresses with their canabae, forts and watchtowers plus military vici in the vicinity of the forts. However, in many regions our knowledge of military vici, their structures, finds, dates and developments through time, is quite fragmented.

In this session we would like to look in detail into the following questions:

  • Rise and development. What do we know about the foundation and construction of military vici? When, how and by whom were these settlements built? Were the forts and vici built (almost) simultaneously? Are the developments we can observe in both fort and vicus the same? What is known about the legislation and administration of military vici? And who was responsible for them?
  • What was the function of the military vicus? Did it play part in the army’s supply system? Which facilities were present and what developments can be observed? In how far do these settlements differ from or align with the forts? Are changes in military occupation of forts reflected in the vici? If the fort and its vicus were not (entirely) contemporaneous: what does this imply for the function and role of the vicus? What was the role of the vicus in relation to rural settlements?
  • Who were the builders and residents of the vicus: soldiers or civilians, or both? What clues can archaeological finds give us on the gender, identity and ethnicity of the residents? Can we recognize interactions between the inhabitants of the fort and the vicus (and the vicus and the rural settlements) from the finds? Can changes be observed through time?
Time Presenter (s) Presentation
 

COFFEE BREAK

15.20 Introduction
15.40 Eric Sponville Zwischen Lararium und Tempel. Ein Privatheiligtum im Nordvicus von Krefeld-Gellep
16.10 Dorit Engster Vulcan, Neptun und Hercules: Götter der Arbeitswelt und ihre Verehrung im Vicus
16.30 Juan Manuel Bermúdez Lorenzo Where is this amphora going? Differentiating Roman trade possibilities through vicus and camps supply
16.50 Lennart Schoenemann The early-Roman military vicus of Speyer (Rhineland-Palatinate, Germany) – first results
17.10 Tony Wilmott The Birdoswald Extra-Mural Settlement Project
17.30  

Zwischen Lararium und Tempel. Ein Privatheiligtum im Nordvicus von Krefeld-Gellep
Eric Sponville, Museum Burg Linn

In über 80 Jahren systematischer Forschung werden im Bereich des Siedlungsplatzes Gelduba in Krefeld-Gellep das Auxiliarkastell, Bereiche der Zivilsiedlungen, das Feldlager sowie das Schlachtfeld aus der Zeit des Bataveraufstandes und über 6500 Gräber des eisenzeitlichen, römischen und fränkischen Gräberfeldes untersucht. Die jüngste Grabung fand 2017/18 auf einer Fläche von 3,7 ha statt. Dabei wurden über 3300 Befunde und ca. 90.000 Einzelfunde freigelegt. Diese umfassen Bereich des Gräberfeldes, Befunde des Schlachtfeldes und des Feldlagers von 69 n.Chr. aber vor allem den nahezu gesamten nördlichen Kastellvicus. Die Siedlung umfasst eine Fläche von 1,2 ha, zwei Drittel der Befunde sowie den Großteil der Funde dieser Grabung. Die Erforschung des Nordvicus ist von umso größerer Bedeutung als der Südvicus durch die Anlage des modernen Hafenbeckens nahezu vollständig zerstört wurde. Im Zuge der Ausgrabung und im Rahmen der Aufarbeitung konnten sowohl die dreiphasige Siedlungsentwicklung als auch die einzelnen Gebäudestrukturen, darunter Streifenhäuser, Hallenbauten, Handwerksbetriebe und Komplexbauten, erforscht werden. Befunde und Funde die im Zusammenhang mit dem religiösen Leben der Bewohner Geldubas stehen sind bisher in Krefeld-Gellep rar gesät. Im Umfeld der Siedlungen sind dies lediglich ein Mithräum, ein Opferschacht im Zusammenhang mit dem Isis-Kult und eine Cella Memoriae im Gräberfeld, sowie eine Handvoll Einzelfunde wie Statuetten und Weiheinschriften. Umso spannender gestaltet sich der Befund im rückwärtigen Hofbereich eines Streifenhausblocks. Hier wurde ein kleiner rechteckiger Bau freigelegt welcher sowohl durch seine hochwertige Bauweise als auch durch seine aufwendige Ausstattung aus der restlichen Bebauung des Vicus heraussticht. Wie die wenigen aber doch klaren Vergleichsbeispiele von anderen Fundstellen zeigen handelt es sich um die Überreste eines kleinen, vermutlich von mehreren Hausparteien genutzten Privatheiligtums. Ein weiteres Puzzlestück in Zusammenhang mit dem religiösen Leben der Zivilbevölkerung in Gelduba und der Bevölkerung kleiner Vici im Allgemeinen.

Vulcan, Neptun und Hercules: Götter der Arbeitswelt und ihre Verehrung im Vicus
Dorit Engster, Althistorisches Seminar Goettingen

Thema des Vortrags ist Verehrung dreier Gottheiten sein, die einen engen Bezug der Arbeits- und Alltagswelt im Vicus besaßen: Vulcan, Neptun, Hercules. Der Charakter ihres Kultes in den römischen Provinzen, insbesondere der Germania Inferior und Superior, soll hinsichtlich der Bedeutung für die soziale Struktur und Identität sowie der Verknüpfung beruflicher Tätigkeit und religiöser Präferenzen analysiert werden. Besondere Berücksichtigung bei der Analyse epigraphischer und archäologischer Zeugnisse finden dabei Spezifika der Kultpraxis in den Vici und lokale Facetten der Gottheiten. Zunächst werden Statuen sowie Reliefdarstellungen der Götter analysiert. Ausgehend von Details der Ikonographie soll gezeigt werden, dass diese sich teilweise eng an den griechische-römischen Traditionen orientieren, teilweise an einheimische Vorstellungen anknüpfen. So lässt sich im Fall des Vulcan nachweisen, dass es sich bei den Weihungen vielfach um die interpretatio romana einer einheimischen Gottheit handelt bzw. der Kult an die Verehrung eines lokalen Schmiedegotts anknüpfte. Im Anschluss werden die Weihinschriften eingehend betrachtet, um zum einen spezifische Charakteristika des Kultes in den Provinzen aufzuzeigen. Zum anderen soll die Stiftungspraxis im Spannungsfeld zwischen Individualität und Kollektivität diskutiert werden. So wird die jeweilige Zusammensetzung der Anhängerschaft inklusive des sozialen Hintergrunds der Stifter – militärisch oder zivil etc. – vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung soll auf der Verbindung von Weihungen mit spezifischen Gruppierungen innerhalb des Vicus liegen. Von besonderem Interesse sind in diesem Zusammenhang Stiftungen der vicani sowie verschiedener collegia. Auf diesem Wege soll die Bedeutung der Götter für die religiöse „Landschaft“ des Vicus und des militärischen Stützpunkts aufgezeigt werden. Wie sich anhand einer Reihe von Beispielen nachweisen lässt, konnte Neptun mit Gewerben aus dem Bereich der Schifffahrt verbunden werden, während der Kult des Vulcan bei Metallarbeitern besondere Popularität genoss. Hercules wiederum wurde aufgrund seiner legendären Taten von verschiedensten Gruppen als geeigneter Patron betrachtet. Vor diesem Hintergrund soll abschließend ein Blick auf die sogenannten Jupitergigantensäulen geworfen werden, auf deren Basis, dem Viergötterstein, häufig die genannten Gottheiten erscheinen. Diese besondere Form der Stiftung wird ebenfalls hinsichtlich ihrer Relevanz für die religiöse Praxis im Vicus diskutiert.

Where is this amphora going? Differentiating Roman trade possibilities through vicus and camps supply
Juan Manuel Bermúdez Lorenzo, King Juan Carlos University

Throughout the limes there are many examples of civilian and military cohabitation, but fundamentally, what makes them coincide is trade. Analysing the remains related to the food trade can shed light on a large number of related activities that allow us to see how they developed. This paper aims to answer the following questions: Can we differentiate between vicus and camp amphorae, and can this clarify whether there is private and public, state-controlled trade? In order to do so, we have to look at the amphora epigraphy, which can give us information about the differentiation of the target population and its supply. Combining the dating of the different archaeological sites with the tituli picti found on Monte Testaccio can also facilitate the diversification of casuistry according to the different periods over the two centuries that this mountain was active as an amphora dump. Overall, the aim is to offer an insight into these commercial relationships that can provide information on their possible differences. In order to do this, it will also be essential to bring together information on the different archaeological sites.

The early-Roman military vicus of Speyer (Rhineland-Palatinate, Germany) – first results
Lennart Schönemann, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Abteilung für Provinzialrömische Archäologie

In 2018 and 2019, extensive archaeological evidence of the city’s history was documented approx. 50 m southwest to Speyer Cathedral. A sequence of Roman strata with features and finds from the 1st to 5th century AD was excavated in Engelsgasse. A canal ditch enabled a cross-section through the Roman main road as well as through a strip house with porticus, living area and backyard area. At least ten successive settlement layers were preserved in a layer package approx. 2.70 m high. This excavation is currently analyzed in my PhD-Project about settlement stratigraphy and material chronology of Roman Speyer, which is situated at Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, supervised by Prof. Dr. Alexander Heising and funded by Gerda Henkel Stiftung. In addition to an overview on my PhD-project, my paper will focus on the section of early-Roman military vicus of Speyer, which was recorded during the 2018-2019 excavation. The early-Roman military vicus presumably existed until the establishment of the province Germania superior and was replaced by the civil settlement of civitas capital Noviomagus. Initial results will be presented regarding the following points:

    • The uncovered building structures allow conclusions about the type of settlement within the vicus.
    • Within the spectrum of archaeological features and finds, there are both direct and indirect references to production, which allow considerations about economic structures in a 1st century military vicus.
    • The 1st century handmade pottery from Speyer, previously often referred as “Germanic” or “Nemetic”, also allows conclusions on the group of users.

The Birdoswald Extra-Mural Settlement Project
Tony Wilmott, Historic England, Ian Haynes, Newcastle University

This four-year joint project by Historic England and Newcastle University has been initiated to examine the chronological and developmental relationships between the extensive extra-mural settlement of the Hadrian’s Wall fort and the fort itself. The development of the fort and its cemetery is well known through recent modern excavation, while knowledge of the extramural areas has been limited to an understanding of their extent through geophysical survey. Excavation to the same modern standard will allow a like-for-like comparison to be attempted. It is intended to characterise the settlements to the east and west of the fort, and also to the north, north of the linear barrier of Hadrian’s Wall. The first season of work, to the east, was completed in August 2021 (this was a double-length season owing to the cancellation of work projected for 2020 due to Covid). This has already shown an unexpected quality both of multi-phase structural survival and of building sophistication, fully justifying the view that these settlements were the towns of the Roman military north in Britain. Finds material included evidence for social and religious activity, and masses of soot and burnt debris and hypocaust flue material indicated the proximity of the excavated area. The results will be assessed over the next months and the eastern area will be revisited in July 2022, when the area north of the Wall will also be examined. The paper will examine the background and rationale for the project, and will present the first results to the Congress.